
Lokale Kultur · 25. Juni 2026
Wat Umong: der Waldtempelmit Tunneln in Chiang Mai
Von Das Ada House Team
Nach ein paar Tagen voller glitzernder, goldener Tempel in der Altstadt sehnt man sich vielleicht nach etwas Ruhigerem. Wat Umong ist genau das. Versteckt im Wald am Fuß des Doi Suthep, westlich des Stadtgrabens und südlich der Universität, tauscht er Blattgold gegen Moos, Trubel gegen Vogelgesang — und statt weitläufiger Hallen führt er einen unter die Erde, in Backsteinmeditationstunnel, die vor rund 700 Jahren angelegt wurden.
Ein Tempel, durch den man hindurchgeht, nicht nur schaut
Der vollständige Name des Wat Umong, Wat Umong Suan Phutthatham, bedeutet in etwa „Tempel der Tunnel und des Dhamma-Gartens" — und die Tunnel sind sein Herzstück. Gegründet im späten 13. Jahrhundert unter König Mengrai, dem ersten Herrscher des Lanna-Königreichs, wurden die Gänge in einen Erdhügel gegraben, mit Backstein ausgekleidet und einst mit Wandmalereien verziert. Man duckt sich hinein, und die Luft wird kühl und dämmrig; in kleinen Nischen ruhen verwitterte Buddhastatuen, während Kerzendunst und Weihrauch im schwachen Licht hängen. Menschen kommen noch immer hierher, um zu meditieren — also sprich leise und lass die Stille ihre Wirkung entfalten.
Über ausgetretene Stufen gelangt man hinauf zum großen Chedi — einem riesigen, glockenförmigen Lanna-Stupa, verwittert und halb vom Grün verschluckt, weit entfernt von den polierten Türmen der Innenstadt. Es ist ein anderes Kapitel derselben Geschichte, die sich durch die Tempel der Altstadt und die Geschichte des Lanna-Königreichs verfolgen lässt.

Der Wald, der See und die sprechenden Bäume
Was Wat Umong im Gedächtnis bleibt, ist alles rund um die Tunnel. Das Gelände erstreckt sich über rund fünfzehn Hektar schattigen Waldes, durchzogen von blätterbeschatteten Pfaden. Beim Schlendern begegnet man den „sprechenden Bäumen": Holzschilder hängen in den Ästen, bedruckt mit Dhamma-Sprüchen und Sprichwörtern auf Thai und Englisch — sanfte, manchmal humorvolle Aufforderungen, innezuhalten und aufmerksam zu sein.
Die Pfade führen hinunter zu einem See, der von Fischen, Schildkröten und Taubenschwärmen bevölkert wird, die man füttern kann (an den Ständen gibt es für ein paar Baht eine Tüte Futter). Etwas abseits liegt ein stiller, fast gespenstischer Ort: ein Feld mit zerbrochenen und verlassenen Buddhastatuen, Köpfe und Torsi unter den Bäumen versammelt, moosbedeckt und eher friedlich als traurig. Das alles fühlt sich weniger wie ein Denkmal an und mehr wie ein Wald, der zufällig heilig ist.
Ein lebendiger Meditationstempel
Wat Umong ist kein Relikt — er ist ein aktives Kloster und Meditationszentrum mit ansässigen Mönchen und einer langen Tradition, ausländische Praktizierende willkommen zu heißen. Zur richtigen Zeit kann man an einem öffentlichen Mönchsgespräch teilnehmen und sich mit einem Mönch über den Buddhismus, das klösterliche Leben oder alles, was einen beschäftigt, unterhalten. Der Tempel bietet außerdem Meditationssitzungen und Dhamma-Vorträge an und kann längere Retreats für alle arrangieren, die tiefer eintauchen möchten. Wer diesen Wunsch verspürt, findet in unserem Leitfaden zu Meditation und Mönchsgesprächen alle Möglichkeiten rund um die Stadt.
Der Besuch lässt sich wunderbar mit einem ausgedehnten Tag in den Hügeln verbinden. Wat Umong liegt am Fuß desselben Berges wie das Dschungelheiligtum auf dem Mönchspfad zum Wat Pha Lat und der goldene Tempel für ein Wochenende am Doi Suthep — zwei davon kombiniert ergibt einen ruhigen, beseelten Ausflug aus der Stadt.
Besuch: die praktischen Infos
Wat Umong liegt etwa fünfzehn Minuten westlich der Altstadt, südlich der Chiang Mai University. Am einfachsten kommt man mit dem eigenen Roller hin, aber ein Songthaew (die roten Sammeltaxis) oder Grab bringen einen günstig dorthin, und wer sicher Rad fährt, kann an einem ruhigen Morgen hinradeln — unsere Hinweise zum Fortbewegen in Chiang Mai erklären alle drei Möglichkeiten. Der Eintritt ist kostenlos, eine Spende aber immer willkommen.
Wie in jedem aktiven Tempel gilt: Kleide dich angemessen — Schultern und Knie bedeckt halten, und ein leichtes Tuch oder eine Schicht in der Tasche dabei haben, wenn man kurze Hosen trägt. Geh früh — morgens ist es kühler, das Licht durch die Bäume ist wunderschön, und oft hat man die Tunnel fast für sich allein.
Komm wegen der Ruhe, bleib wegen der eigentümlichen Stille. Nach den Farben und dem Lärm der Märkte ist Wat Umong der tiefe Atemzug, den dein Chiang-Mai-Urlaub noch gar nicht wusste, dass er ihn braucht. Wir sehen uns unter den Bäumen.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Wat Umong von den Tempeln in der Altstadt?
Statt Gold und Trubel bietet Wat Umong Moos und Vogelgesang sowie unterirdische Backsteinmeditations-tunnel, die vor rund 700 Jahren angelegt wurden. Es ist ein Waldtempel am Fuß des Doi Suthep, weit ruhiger und besinnlicher als die goldenen Tempel im Stadtzentrum.
Wo liegt Wat Umong und wie komme ich dorthin?
Der Tempel liegt etwa fünfzehn Minuten westlich der Altstadt, direkt südlich der Chiang Mai University. Am einfachsten fährt man mit dem eigenen Roller, aber auch ein Songthaew (die roten Sammeltaxis) oder ein Grab bringen einen günstig dorthin, und sportliche Radfahrer können an einem ruhigen Morgen hinradeln.
Gibt es einen Eintrittspreis?
Der Eintritt ist kostenlos, eine Spende ist jedoch stets willkommen.
Gibt es eine Kleiderordnung?
Wie in jedem aktiven Tempel sollte man sich bedeckt kleiden, mit bedeckten Schultern und Knien. Wer kurze Hosen trägt, sollte einen leichten Schal oder ein zusätzliches Kleidungsstück dabei haben, um sich entsprechend bedecken zu können.
Was sind die sprechenden Bäume?
Es sind Holzschilder, die überall im Wald an den Ästen hängen und Dhamma-Sprüche sowie Sprichwörter auf Thai und Englisch tragen. Sie sind sanfte, manchmal humorvolle Einladungen, innezuhalten und aufmerksam zu sein, während man durch die grünen Wege schlendert.
Kann ich dort einen Mönch treffen oder meditieren?
Ja. Wat Umong ist ein aktives Kloster und Meditationszentrum mit ansässigen Mönchen. Zur richtigen Zeit kann man an einem öffentlichen Mönchsgespräch teilnehmen, und der Tempel bietet zudem Meditationssitzungen sowie Dhamma-Vorträge an und kann für alle, die tiefer eintauchen möchten, längere Retreats arrangieren.


