# Wiang Kum Kam: die versunkene Stadt südlich von Chiang Mai

> Wiang Kum Kam, die begrabene erste Hauptstadt nahe Chiang Mai — ihre überflutete Geschichte, die Tempelruinen und wie man sie in einem halben Tag erkundet.

Nur etwa fünf Kilometer südlich des Stadtgrabens, jenseits des letzten Stadtverkehrs, werden die Gassen still und die Reisfelder beginnen. Zwischen ihnen stehen bröckelnde Backstein-Chedis, die kaum jemand besucht. Dies ist **Wiang Kum Kam** — eine königliche Hauptstadt, die *vor* Chiang Mai existierte, vom Fluss verschluckt wurde und jahrhundertelang vergessen unter der Erde lag.

## Die Hauptstadt, die versank

Die Geschichte beginnt mit **König Mengrai**, dem Gründer des Lanna-Königreichs. Um **1286** errichtete er Wiang Kum Kam am Ufer des **Ping-Flusses** als seinen neuen Herrschaftssitz, komplett mit Tempeln, Wällen und einem vom Wasser gespeisten Graben. Es sollte Jahrhunderte überdauern.

Es hielt kaum ein Jahrzehnt. Der Ping überschwemmte die Stadt immer wieder, ertränkte die Straßen und unterspülte die Tempel, und der König erkannte, dass er auf dem falschen Grund gebaut hatte. **1296** zog er einige Kilometer nach Norden auf höheres Gelände und gründete stattdessen **Chiang Mai** — die Stadt, die wir heute kennen. Wiang Kum Kam hielt sich noch eine Weile, doch der Fluss veränderte immer wieder seinen Lauf und schichtete Schlamm über die verlassenen Heiligtümer, bis die gesamte Siedlung unter den Feldern verschwand. Wer den vollständigen Überblick über den Aufstieg und Fall dieser Dynastie möchte, findet in unserem Leitfaden zur [Geschichte des Lanna-Königreichs](/blog/lanna-kingdom-history) den passenden Einstieg.

![Wiang Kum Kam: die versunkene Stadt südlich von Chiang Mai](/blog/wiang-kum-kam/visual.webp)

## Wiederentdeckt, ausgegraben und wieder aufgerichtet

Etwa fünfhundert Jahre lang war Wiang Kum Kam kaum mehr als eine lokale Legende — ein Name, der mit einigen verstreuten Hügeln verbunden war. Dann begann in den 1980er Jahren das **Fine Arts Department** zu graben, und die verlorene Stadt begann ans Licht zu kommen. In den folgenden Jahrzehnten legten Archäologen mehr als **vierzig Tempelstätten** frei und restaurierten sie teilweise, zusammen mit **Inschriften**, Töpferwaren und Buddhastatuen, die bewiesen, dass dies ein echtes Zentrum für Handel und Religion gewesen war — kein unbedeutender Außenposten.

Was die Stätte so atmosphärisch macht, ist, dass die Ruinen nie zu einem eingezäunten Park hergerichtet wurden. Die Backstein-**Chedis** ragen mitten aus einem ganz normalen, lebendigen Dorf hervor — zwischen den Mangobäumen eines Anwohners, neben einem Nudelstand, gegenüber einem geparkten Pickup. Man schlendert von einem zum nächsten durch verschlafene Wohnstraßen, was einen großen Teil des Charmes ausmacht.

## Die Ruinen, die man nicht verpassen sollte

Beginnt mit **Wat Chedi Liam**, dem einzigen Wahrzeichen, das nie versank. Sein hoher, gestufter, quadratischer Chedi im Mon-Stil — ein Echo des großen Chedis im nahen **Lamphun** — ist noch immer ein aktiver Tempel, vergoldet und von Mönchen gepflegt. Er ist der beste Ausgangspunkt, um zu verstehen, wie die anderen einmal aussahen, bevor der Schlamm sie begrub.

Von dort aus lohnen die Backsteinruinen eine langsame Betrachtung. **Wat Chang Kham**, um 1290 auf Mengrais Befehl erbaut, ist der Ort, an dem die moderne Wiederentdeckung begann; sein Name verweist auf die Elefantenfiguren, die einst den Sockel stützten. **Wat E-Kang**, benannt nach den Affen, die das Gelände bevölkerten, bewahrt einen wunderschön erhaltenen gestuften Chedi, während das nahe gelegene **Wat Pu Pia** noch immer zierlichen Stuckschmuck rund um die Nischen seines Stupas trägt. Unbedingt das **Informationszentrum** besuchen: Neben ausgegrabenen Artefakten wird dort ein Haus und ein Markt aus der Lanna-Zeit nachgestellt — das macht alles draußen viel verständlicher.

## Einen halben Tag einplanen

Die Ruinen erstrecken sich über ein weitläufiges Gebiet, daher lohnt es sich, die Fortbewegung zwischen den Stätten zu planen. Die klassische und charmanteste Option ist die **Pferdekutsche**, die in der Nähe des Zentrums wartet — eine gemächliche Runde zu den wichtigsten Tempeln mit einem Fahrer, der die Route kennt. Für kleine Gruppen gibt es auch eine elektrische **Bahn**, und wer lieber sein eigenes Tempo bestimmt, kann für wenig Geld ein **Fahrrad** leihen. Mit eigenem Gefährt helfen unsere Tipps zum [Radfahren rund um Chiang Mai](/blog/cycling-chiang-mai) sowie die praktischen Hinweise in [Fortbewegung in Chiang Mai](/blog/getting-around-chiang-mai) bei der Planung der kurzen Fahrt dorthin. Der Eintritt zur Stätte ist frei, und sie ist täglich von etwa 8 bis 17 Uhr geöffnet; wer früher kommt, genießt kühleres und weicheres Licht.

Ein halber Tag reicht völlig aus, was Wiang Kum Kam leicht in einen größeren Ausflug nach Süden einbinden lässt — es liegt günstig auf dem Weg zu einem [Tagesausflug nach Lamphun](/blog/lamphun-day-trip), der noch älteren Stadt gleich dahinter. Wasser mitnehmen, einen Hut aufsetzen und sich ruhig ein wenig zwischen den Steinen verlieren. Es gibt kaum eine stillere Art zu spüren, wie tief die Geschichte dieses Tals reicht.

Wir wünschen euch einen friedvollen Spaziergang durch die alte Hauptstadt,
**das Ada House Team**
