# Wat Umong: der Waldtempelmit Tunneln in Chiang Mai

> Wat Umong ist Chiang Mais alter Waldtunnel-Tempel — Backsteinpassagen, ein verwitterter Chedi, ein See und sprechende Bäume. So besucht man ihn.

Nach ein paar Tagen voller glitzernder, goldener Tempel in der Altstadt sehnt man sich vielleicht nach etwas Ruhigerem. **Wat Umong** ist genau das. Versteckt im Wald am Fuß des Doi Suthep, westlich des Stadtgrabens und südlich der Universität, tauscht er Blattgold gegen Moos, Trubel gegen Vogelgesang — und statt weitläufiger Hallen führt er einen unter die Erde, in **Backsteinmeditationstunnel**, die vor rund **700 Jahren** angelegt wurden.

## Ein Tempel, durch den man hindurchgeht, nicht nur schaut

Der vollständige Name des Wat Umong, **Wat Umong Suan Phutthatham**, bedeutet in etwa „Tempel der Tunnel und des Dhamma-Gartens" — und die Tunnel sind sein Herzstück. Gegründet im späten 13. Jahrhundert unter **König Mengrai**, dem ersten Herrscher des Lanna-Königreichs, wurden die Gänge in einen Erdhügel gegraben, mit Backstein ausgekleidet und einst mit Wandmalereien verziert. Man duckt sich hinein, und die Luft wird kühl und dämmrig; in kleinen **Nischen ruhen verwitterte Buddhastatuen**, während Kerzendunst und Weihrauch im schwachen Licht hängen. Menschen kommen noch immer hierher, um zu meditieren — also sprich leise und lass die Stille ihre Wirkung entfalten.

Über ausgetretene Stufen gelangt man hinauf zum **großen Chedi** — einem riesigen, glockenförmigen Lanna-Stupa, verwittert und halb vom Grün verschluckt, weit entfernt von den polierten Türmen der Innenstadt. Es ist ein anderes Kapitel derselben Geschichte, die sich durch die [Tempel der Altstadt](/blog/old-city-temples-chiang-mai) und die [Geschichte des Lanna-Königreichs](/blog/lanna-kingdom-history) verfolgen lässt.

![Wat Umong: der Waldtempelmit Tunneln in Chiang Mai](/blog/wat-umong/visual.webp)

## Der Wald, der See und die sprechenden Bäume

Was Wat Umong im Gedächtnis bleibt, ist alles rund um die Tunnel. Das Gelände erstreckt sich über rund fünfzehn Hektar schattigen **Waldes**, durchzogen von blätterbeschatteten Pfaden. Beim Schlendern begegnet man den **„sprechenden Bäumen"**: Holzschilder hängen in den Ästen, bedruckt mit **Dhamma-Sprüchen und Sprichwörtern auf Thai und Englisch** — sanfte, manchmal humorvolle Aufforderungen, innezuhalten und aufmerksam zu sein.

Die Pfade führen hinunter zu einem **See**, der von **Fischen, Schildkröten und Taubenschwärmen** bevölkert wird, die man füttern kann (an den Ständen gibt es für ein paar Baht eine Tüte Futter). Etwas abseits liegt ein stiller, fast gespenstischer Ort: ein Feld mit **zerbrochenen und verlassenen Buddhastatuen**, Köpfe und Torsi unter den Bäumen versammelt, moosbedeckt und eher friedlich als traurig. Das alles fühlt sich weniger wie ein Denkmal an und mehr wie ein Wald, der zufällig heilig ist.

## Ein lebendiger Meditationstempel

Wat Umong ist kein Relikt — er ist ein **aktives Kloster und Meditationszentrum** mit ansässigen Mönchen und einer langen Tradition, ausländische Praktizierende willkommen zu heißen. Zur richtigen Zeit kann man an einem öffentlichen **Mönchsgespräch** teilnehmen und sich mit einem Mönch über den Buddhismus, das klösterliche Leben oder alles, was einen beschäftigt, unterhalten. Der Tempel bietet außerdem **Meditationssitzungen und Dhamma-Vorträge** an und kann längere Retreats für alle arrangieren, die tiefer eintauchen möchten. Wer diesen Wunsch verspürt, findet in unserem Leitfaden zu [Meditation und Mönchsgesprächen](/blog/meditation-monk-chat-chiang-mai) alle Möglichkeiten rund um die Stadt.

Der Besuch lässt sich wunderbar mit einem ausgedehnten Tag in den Hügeln verbinden. Wat Umong liegt am Fuß desselben Berges wie das Dschungelheiligtum auf dem [Mönchspfad zum Wat Pha Lat](/blog/wat-pha-lat-monks-trail) und der goldene Tempel für ein [Wochenende am Doi Suthep](/blog/doi-suthep-weekend) — zwei davon kombiniert ergibt einen ruhigen, beseelten Ausflug aus der Stadt.

## Besuch: die praktischen Infos

Wat Umong liegt etwa **fünfzehn Minuten westlich der Altstadt**, südlich der Chiang Mai University. Am einfachsten kommt man mit dem eigenen **Roller** hin, aber ein **Songthaew** (die roten Sammeltaxis) oder Grab bringen einen günstig dorthin, und wer sicher Rad fährt, kann an einem ruhigen Morgen hinradeln — unsere Hinweise zum [Fortbewegen in Chiang Mai](/blog/getting-around-chiang-mai) erklären alle drei Möglichkeiten. Der Eintritt ist **kostenlos**, eine Spende aber immer willkommen.

Wie in jedem aktiven Tempel gilt: **Kleide dich angemessen** — **Schultern und Knie bedeckt** halten, und ein leichtes Tuch oder eine Schicht in der Tasche dabei haben, wenn man kurze Hosen trägt. **Geh früh** — morgens ist es kühler, das Licht durch die Bäume ist wunderschön, und oft hat man die Tunnel fast für sich allein.

Komm wegen der Ruhe, bleib wegen der eigentümlichen Stille. Nach den Farben und dem Lärm der Märkte ist Wat Umong der tiefe Atemzug, den dein Chiang-Mai-Urlaub noch gar nicht wusste, dass er ihn braucht. Wir sehen uns unter den Bäumen.
