# Das Vegetarierfestival in Chiang Mai: neun Tage Jay-Essen

> Das Vegetarierfestival (Tesagan Gin Je) in Chiang Mai — was es ist, wann es stattfindet und wo es das beste vegane Essen des Jahres gibt.

Für ein paar Tage im Herbst verändert die Stadt ihre Farbe. Kleine **gelbe Fahnen** mit einem roten Schriftzeichen sprießen aus Essensständen und Ladengeschäften, Knoblauch verschwindet aus den Küchen, und Fleisch verabschiedet sich still und leise von Speisekarte zu Speisekarte. Das ist **Tesagan Gin Je**, das Vegetarierfestival — neun Tage, an denen ein großer Teil von Chiang Mai gemeinsam vegan lebt.

## Was es ist und wann es stattfindet

Der englische Name „Vegetarian" beschreibt es eigentlich zu schwach. Das Festival ist eine **neuntägige Zeit der Reinigung und des Verdienstsammelns**, verwurzelt in der **chinesisch-taoistischen Tradition**, zu Ehren der **Neun Kaisergötter**. Thailändisch-chinesische Gemeinschaften pflegen es seit Generationen, und es hat sich weit über sie hinaus verbreitet — heutzutage machen viele Einheimische aus Chiang Mai ohne chinesische Vorfahren mit, wenn auch manchmal nur wegen des Essens.

Der Termin richtet sich nach dem Mondkalender und fällt in den **neunten chinesischen Mondmonat** — in der Praxis **Ende September oder Anfang Oktober**. Wie [Yi Peng](/blog/yi-peng-lantern-festival) und andere bewegliche Feste der Stadt verschieben sich die genauen Daten jedes Jahr, weshalb es sich lohnt, vorab nachzuschauen. Unser [Festivalkalender](/blog/chiang-mai-festivals-calendar) ist ein guter Ausgangspunkt, wenn ihr eure Reise danach planen möchtet.

![Das Vegetarierfestival in Chiang Mai: neun Tage Jay-Essen](/blog/vegetarian-festival-chiang-mai/visual.webp)

## Die Praxis hinter dem Teller

„**Gin je**" (กินเจ) bedeutet, *jay* zu essen — und *jay* ist strenger als gewöhnlich vegetarisch. Gläubige verzichten auf Fleisch, Meeresfrüchte, Eier und Milchprodukte, was die Ernährung vollständig **vegan** macht. Außerdem meiden sie die **scharfen Gemüsesorten** — Knoblauch, Zwiebeln, Schnittlauch, Lauch —, die angeblich die Leidenschaften entfachen und den Geist trüben. Auch Alkohol und andere Genussmittel sind für die Dauer des Festivals tabu.

Der tiefere Sinn liegt in der **Reinigung**. Viele Teilnehmende kleiden sich von Kopf bis Fuß in **Weiß** als Zeichen innerer Sauberkeit, halten ihre Gedanken und ihre Sprache sanft und betrachten die neun Tage als einen Neustart für Körper und Geist. Wer schon einmal an einem [Mönchsgespräch](/blog/meditation-monk-chat-chiang-mai) teilgenommen oder sich mit dem [thailändischen Buddhismus](/blog/understanding-thai-buddhism) beschäftigt hat, wird diese Logik wiedererkennen: Was man in seinen Körper und seinen Geist aufnimmt, ist Teil derselben Praxis.

## Wo das Festival in Chiang Mai seinen Mittelpunkt hat

Das Herz des Ganzen ist das **Chinatown** der Stadt, rund um den [Warorot-Markt](/blog/warorot-market-chiang-mai) — von Einheimischen Kad Luang genannt — und die **chinesischen Schreine** in den nahe gelegenen Gassen. Während des Festivals schmückt sich der alte Markt in Gelb, die Tempel halten Zeremonien und Opfergaben ab, und temporäre Stände reihen sich entlang der Straßen, jeder mit der **roten „เจ" (Jay)-Fahne**, die zeigt, dass das Essen den Regeln entspricht.

Es ist ein ruhigeres Ereignis als die berühmte Version in **Phuket**, wo Gläubige sich die Wangen durchstechen und über Kohlen laufen. Hier ist das Spektakel stiller — Weihrauchduft, Gesang, eine langsame Prozession, Tische voller Speisen als Opfergaben. Kommt am Morgen, wenn die Schreine am belebtesten und die Speisen frisch sind, schlendert durch die Gassen am Flussufer und lasst euch von den Menschenmassen tragen.

## Die beste Woche des Jahres für veganes Essen

Hier ist das erfreuliche Geheimnis: Chiang Mai ist ohnehin schon [eine der einfachsten Städte Asiens für pflanzliche Ernährung](/blog/vegetarian-chiang-mai), und das Festival dreht das noch einmal auf elf. Neun Tage lang stellen Stände und Restaurants, die normalerweise kein *jay* kochen, ihre gesamte Speisekarte um, und Gerichte tauchen auf, die man den Rest des Jahres einfach nicht findet.

Haltet Ausschau nach den gelben Fahnen und probiert euch nach Herzenslust durch: Mock-Meat-*Khao-Soi* und Currys auf Tofu- und Pilzbasis, Reisbuffets zum Zeigen und Auswählen für ein paar Baht, frittierter Taro und Kürbis, frische Sojamilch, klebrige Schwarzreispuddings. Selbst wer sonst Fleisch isst, hat hier einen wunderbaren Anlass zu entdecken, wie gut vegane **nordthailändische Küche** sein kann — und eine Erinnerung daran, dass die [Lanna-Küche](/blog/northern-thai-food) schon immer auf Gemüse und Kräuter gesetzt hat.

Eine kleine Rücksichtnahme geht weit: Wenn ihr an einem *jay*-Stand esst, haltet euren Teller streng pflanzlich — keine Fischsauce nebenbei, keine eigenen Snacks — aus Respekt vor den Menschen, die um euch herum fasten. Ein Lächeln und ein leises „**gin je**" sagt einem Verkäufer genau, was ihr sucht.

Haltet Ausschau nach den ersten gelben Fahnen, folgt ihnen zum Fluss und esst gut. Wir sehen uns dort.

— Das Ada-House-Team
