# Cha Yen, Oliang und die Blaue: Ein Leitfaden zu thailändischen Getränken

> Ein freundlicher Leitfaden zu Thai-Getränken: Cha yen, Oliang, pinke Milch, Kräuterdrinks und Fruchtshakes – und wie man sie weniger süß bestellt.

Wer in Chiang Mai ein Getränk bestellt, merkt schnell, dass die Auswahl weit über ein kühles Chang oder einen Flat White hinausgeht. Thailand hat eine ganz eigene Alltagsgetränkekultur – süß, eisgekühlt und oft überraschend farbenfroh – verkauft von Karren mit Glasfront, Motorrad-Beiwagen und kleinen altmodischen Cafés für kaum mehr als das Kleingeld in der Tasche. Wenn man erst weiß, wonach man Ausschau halten soll, wird ein Spaziergang an einer Reihe von Marktständen zum Degustationsmenü. Hier sind die Klassiker, die man kennen sollte, was wirklich drin ist und wie man sie nach dem eigenen Geschmack bestellt.

## Das orangefarbene Wahrzeichen: Cha yen

**Cha yen** (wörtlich „kalter Tee") ist derjenige, den man mit ziemlicher Sicherheit bereits gesehen hat: ein hohes Glas sonnenuntergangs-orangefarbenen Tees über Crushed Ice, abgerundet mit einem großzügigen Schwung gesüßter Kondens- und Verdampfungsmilch. Die Basis ist ein kräftiger schwarzer Tee, dunkel und süß gebrüht, dann mit cremiger Milch gekrönt, die man selbst einrührt und dabei beobachtet, wie die Farbe von Bernstein zu Pfirsich verblasst. Er ist ungeniert dessertähnlich – wer ein Naschkatze ist, genießt ihn ebenso gut neben [einem Teller Mango Sticky Rice](/blog/thai-desserts-chiang-mai) wie in einem nachmittäglichen Durchhänger. Man findet ihn überall, aber die besten Versionen kommen von Karren, die ihren Tee frisch brühen, anstatt ihn aus einem großen Behälter zu schöpfen.

![Eine Lanna-Illustration bunter thailändischer Eisgetränke – cha yen, rosa Milch und Schmetterlingserbsentee – auf einem Marktwagen](/blog/thai-drinks-guide/visual.webp)

## Oliang: der altmodische schwarze Kaffee

Lange bevor die Dritte-Welle-Röster ankamen, tranken die Thais **Oliang** – einen dicken, pechschwarzen Eiskaffee, dessen Name aus dem Teochew-Chinesischen für „schwarz" und „kalt" stammt. Traditionell werden die Kaffeesätze mit etwas geröstetem Mais, Sojabohnen oder Sesam verschnitten, langsam durch ein langes Tuchfilter gebrüht und dann mit Zucker über Eis gegossen. Das Ergebnis ist bittersüß, leicht rauchig und erfrischend stark – eine andere Welt als die akribischen Single-Origin-Pour-overs in [den Cafés rund um Nimman](/blog/coffee-around-nimman), und umso besser dafür. Wer einen abgewetzten Metallkarren mit diesem baumelnden Tuchfilter findet, hat das Original gefunden.

## Pinke Milch, Limettentee und grüner Tee

Ein paar Geschwister runden den Karren ab. **Nom yen** („kalte Milch") ist die fröhlich leuchtend pinke Variante: Milch, gesüßt mit Sala-Sirup und mit der Schlangenfrüchten *Salak* aromatisiert. Sie schmeckt nach nichts Bestimmtem und doch nach allem Nostalgischem – thailändische Kinder lieben sie. **Cha manao** ist Eis-Limettentee – derselbe dunkle Tee ohne Milch gebrüht, dann mit frischer Limette und Zucker zu etwas Herbem und wirklich Durstlöschendem an einem heißen Nachmittag geschärft. Und thailändischer **Eistee mit grünem Tee** ist der jadegrüne, milchige Cousin des Cha yen: süß, cremig und leicht grasig. Zusammen decken sie die meisten Stimmungslagen ab.

![Eine Lanna-Illustration von thailändischen Fruchtshakes und Kräutermarktgetränken in Chiang Mai](/blog/thai-drinks-guide/visual-2.webp)

## Die Kräuter-Kühler vom Markt

Und nun zum Regenbogen. Auf jedem Frischmarkt begegnet man Reihen von Glasfässern und wiederverwendeten Flaschen, gefüllt mit edelsteinfarbeneen Kräutergetränken, zuhause gebrüht und tassenweise verkauft. **Nam kek huai** ist goldener Chrysanthementee, blumig und beruhigend; **Krachiap** ist Roselle (Hibiskus), ein tiefes Rubinrot mit einem herben, cranberryartigen Biss; **Matoom** ist duftende, milde Bael-Frucht, sanft süß und gut für den Magen. Der Hingucker ist **Anchan**, Schmetterlingserbsentee – ein tiefes, elektrisches Blau, das sich im Moment, in dem man Limette hineindrückt, violett färbt, was ihn zu einem verlässlichen Publikumsliebling macht. Außerdem sieht man kühlendes **Zitronengras** (*Takrai*) und süße **Longan** (*Lamyai*). Die Fässer auf dem [Warorot-Markt](/blog/warorot-market-chiang-mai) und die Wochendstände bei [Jing Jai](/blog/jing-jai-market-chiang-mai) sind ein guter Ort, um sich durch das gesamte Angebot zu probieren.

## Fruchtshakes und Kokosnusswasser

Das wichtigste Wort hier ist **pan** (bedeutet „gemixt"). Man zeigt auf einen Haufen Früchte – Mango, Wassermelone, Passionsfrucht, Ananas – und der Verkäufer mixt sie sofort mit Eis zu einem Slush-Shake. Es ist eine der günstigsten und frischesten Köstlichkeiten der Stadt und eine wunderbare Möglichkeit, sich durch Thailands [herrlichen Obstkalender](/blog/thai-fruit-guide) zu kosten. Wenn die Hitze wirklich beißt, schlägt nichts eine junge Kokosnuss, die vor den eigenen Augen aufgehackt wird: kühles, leicht süßes Kokosnusswasser direkt aus der Schale, mit weichem Gelee zum Herausschaben danach.

## Wie man bestellt (weniger süß) und wo man es findet

Ein kurzes Wort zum Zucker. Thailändische Getränke sind standardmäßig süß – manchmal überraschend süß – weil sie hier so geliebt werden. Der Zaubersatz, um dies abzumildern, lautet **wan noi** (หวานน้อย), „ein wenig süß"; wer es beim Bestellen sagt, dem werden die meisten Verkäufer gerne weniger Kondensmilch und Sirup geben. Gar keinen Zucker? Man versuche es mit **mai wan**, „nicht süß". Was den Preis betrifft: Fast alles ist herrlich günstig – je nach Getränk und Ort etwa 20 bis 60 Baht pro Becher. Diese Karren findet man überall in den [Straßenimbissständen](/blog/street-food-chiang-mai) der Stadt, vor Märkten geparkt und am belebtesten auf den [Nachtmärkten](/blog/night-markets-chiang-mai), wo ein eiskalter Becher mit etwas Buntem das Perfekte ist, um es beim Schlendern in der Hand zu halten. Am besten mit Cha yen beginnen, bei Anchan mutig sein und den Rest dem Karren überlassen.
