# Kathoey: Thailands drittes Geschlecht verstehen – mit Respekt

> Kathoey – Thailands drittes Geschlecht & Ladyboys: Bedeutung, Kultur, Geschichte und Chiang Mais Cabarets. Respektvoll erklärt.

Wer ein wenig Zeit in Chiang Mai verbringt, wird ihnen begegnen – am Friseurstuhl, hinter dem Café-Tresen, an einem Nachtmarktstand oder auf einer hell erleuchteten Bühne. Thailands **Kathoey** (กะเทย), von Besuchern oft „Ladyboys" genannt, sind einer der sichtbarsten und zugleich am meisten missverstandenen Bestandteile des thailändischen Lebens. Hier erfahren Sie, wer sie wirklich sind, welche Kultur hinter ihnen steckt und wie man ein guter Gast ist.

## Was „Kathoey" wirklich bedeutet

**Kathoey** (กะเทย) ist ein weit gefasster thailändischer Oberbegriff, meist für Menschen, die **bei der Geburt als männlich eingestuft wurden und feminin leben und auftreten** – Transfrauen und manchmal sehr feminine schwule Männer. Das Wort bedeutete einst so etwas wie „intersexuell" und hat sich im Laufe der Zeit gewandelt; eine saubere englische Entsprechung gibt es nicht.

Daneben hört man auch das sanftere **Phu Ying Praphet Song** (ผู้หญิงประเภทสอง), wörtlich „Frau zweiter Art", und viele Thais sprechen schlicht von einem **dritten Geschlecht**, *Phet Thi Sam*. Das touristische Wort „Ladyboy" ist allgegenwärtig, doch es ist umgangssprachlich und kann eine ganze Bandbreite echter Menschen auf ein sexualisiertes Spektakel reduzieren. Im Thailändischen – und in einem Reiseführer wie diesem – wirken **Kathoey** oder **Transfrau** schlicht respektvoller.

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## Eine lange Geschichte – durch eine buddhistische Linse betrachtet

Das ist kein modernes Importprodukt. Thailand hat schon seit langer Zeit mehr als zwei vergeschlechtlichte gesellschaftliche Rollen anerkannt, und Kathoey tauchen in traditionellen Aufführungen und Tempelfest-Unterhaltungen auf, lange bevor es die zeitgenössische LGBTQ+-Politik gab.

Ein Teil des Grundes liegt im kulturellen Hintergrund. Der Theravada-Buddhismus ordnet Geschlechtervarianz nicht in strenge Kategorien von Sünde und Tugend ein; die thailändische Kultur tendiert dazu, sie stattdessen durch **Karma und frühere Leben** zu betrachten. Das Ergebnis ist eine Art alltägliche, gelebte Toleranz – sichtbare Akzeptanz, selbst dort, wo vollständige rechtliche Gleichstellung noch fehlt. Es ist dieselbe sanfte, nicht wertende Strömung, die man in so vielen Bereichen des [thailändischen Buddhismus](/blog/understanding-thai-buddhism) spürt.

## Alltag – und Chiang Mai

Vergessen Sie den Gedanken, dass es sich dabei nur um eine Bühnenshow handelt. Kathoey sind fest ins gewöhnliche Arbeitsleben eingewoben: Salons und Spas, Gastgewerbe, Mode, Einzelhandel, Medien und Universitätscampus. Mit seinen Studierenden und seinem entspannten Tourismus ist **Chiang Mai eine der lockereren Städte Thailands** in dieser Hinsicht – man erlebt Kathoey ganz selbstverständlich bei ihrem Alltag, wie alle anderen auch.

Doch „sichtbar" bedeutet nicht dasselbe wie „gleichgestellt". Alte Klischees – dass eine Kathoey zwangsläufig Entertainerin oder Sexarbeiterin sein muss – halten sich hartnäckig, und konservative Familienerwartungen lasten zu Hause noch immer schwer. Wärme und Grenzen existieren Seite an Seite.

## Die Cabaret-Shows – und wie man sie gut erlebt

Für viele Besucher ist der erste Kontakt das **Cabaret** – energiegeladene, Las-Vegas-artige Lippensync-Revuen voller Pailletten, Federn und schneller Kostümwechsel. In Chiang Mai sind das **Chiang Mai Cabaret Show** nahe dem Night Bazaar und das größere **Miracle Cabaret** die bekanntesten. Sie bieten einen vergnüglichen, glamourösen Abend und passen gut zu einem Bummel durch das [Nachtleben und die Bars](/blog/nightlife-craft-beer-chiang-mai) der Stadt.

Gehen Sie der Kunst wegen hin. Das sind **talentierte Künstlerinnen**, kein Witz auf Kosten anderer – also applaudieren Sie dem Können, geben Sie ein Trinkgeld, wenn Ihnen die Show gefallen hat, und **fragen Sie immer zuerst, bevor Sie Fotos** mit einer Künstlerin machen (ein kleines Trinkgeld für Fotos ist üblich und wird geschätzt). Bringen Sie dieselbe Selbstverständlichkeit mit, die Sie auch zu jedem [respektvollen Begegnung in Thailand](/blog/thai-etiquette-for-visitors) mitbringen würden: Niemand ist ein Ausstellungsstück.

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## Akzeptanz versus Gleichstellung: das ehrliche Bild

Es lohnt sich, beide Seiten der Geschichte klar im Blick zu behalten.

Die gute Nachricht ist real: **2025 hat Thailand die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert** – als erstes Land in Südostasien, ein echter Meilenstein für die gesamte LGBTQ+-Gemeinschaft.

Die Lücke ist genauso real. Thailand hat noch immer **keine rechtliche Geschlechtsanerkennung**: Eine Kathoey kann den Geschlechtseintrag auf ihrem Personalausweis, Reisepass oder ihrer Geburtsurkunde nicht ändern lassen, selbst nach einer geschlechtsangleichenden Operation. Offiziell gilt sie weiterhin als männlich – was im Alltag alles von Papierkram über Bewerbungen bis hin zu Reisen still und leise verkompliziert. Diskriminierung in regulären Berufsfeldern besteht ebenfalls fort. Das ehrliche Bild ist also beides zugleich: breite, herzliche Alltagstoleranz neben struktureller Ungleichheit, die noch nicht aufgeholt hat.

## Wie man ein guter Gast ist

Das muss alles gar nicht kompliziert sein. Verwenden Sie **Kathoey** oder **Transfrau** statt „Ladyboy", und nutzen Sie es niemals als Anlass zum Gaffen. Behandeln Sie die Person im Salon, bei der Show oder hinter dem Café-Tresen genau als das – als Mensch, nicht als Kuriosität oder Fotomotiv. Wenn Sie aufrichtig neugierig sind, fragen Sie freundlich; die meisten Menschen erzählen gerne, zu ihren eigenen Bedingungen.

Tun Sie das, und Sie werden sehen, was die Einheimischen längst wissen: Kathoey sind schlicht ein Teil des Gefüges von Chiang Mai – und dazu ein herzlicher und farbenfroher. Behandeln Sie sie mit demselben Respekt, den Sie sich selbst wünschen würden, und Sie werden sich bestens einfügen.
